Wie misst du Mitarbeiterzufriedenheit, wenn ein guter Wert zwei Dinge bedeuten kann?

Stell dir vor, die Erhebung ist durch. Auf deinem Ergebnisblatt steht eine 2,6. Fünfstufige Skala, irgendwo in der Mitte. Du sitzt damit in der Geschäftsführungsrunde, und jemand fragt: „Und, ist das jetzt gut?“

Auf diese Frage gibt es keine ehrliche kurze Antwort. Dieselbe Zahl kann aus sehr verschiedenen Lebenslagen entstehen. Sie kann bedeuten, dass Menschen zufrieden sind und mehr wollen. Sie kann bedeuten, dass sie irgendwann aufgehört haben, etwas zu erwarten. Beides ergibt eine 2,6. Das ist seit den siebziger Jahren gut beschrieben, und es hat handfeste Folgen dafür, wie du eine Erhebung anlegst und liest. Die Zahl ist die Wasserlinie. Interessant ist, was darunter liegt.

In diesem Artikel zeigen wir dir:

  • was Arbeitszufriedenheit fachlich beschreibt und warum sie immer ein Vergleich ist
  • die sechs Formen der Zufriedenheit und warum zwei davon im Fragebogen gleich aussehen
  • warum sich der Wert bewegt, auch wenn sich an den Verhältnissen nichts ändert
  • woran du erkennst, welche Art von Zufriedenheit du vor dir hast

Die kurze Antwort: Eine Zufriedenheitszahl misst den Abstand zwischen Erwartung und Wirklichkeit. Beide Seiten bewegen sich, deshalb ist ein guter Wert für sich genommen kein Beleg dafür, dass es gut läuft. Auseinanderhalten lassen sich die Fälle nur über drei Schritte. Erhebe die Themenfelder getrennt. Rechne aus, welches davon das Gesamturteil trägt. Und sprich danach mit den Teams über die Ergebnisse.

Was Arbeitszufriedenheit beschreibt

Die meistzitierte Definition stammt von Edwin Locke: Arbeitszufriedenheit ist ein angenehmer oder positiver emotionaler Zustand, der aus der Bewertung der eigenen Arbeit entsteht 1. Das entscheidende Wort ist Bewertung. Zufriedenheit ist kein Zustand, den man wie eine Temperatur ablesen kann. Sie ist das Ergebnis eines Vergleichs.

Verglichen wird die Erwartung mit dem, was jemand vorfindet. Die deutsche Arbeitspsychologin Agnes Bruggemann hat daraus in den siebziger Jahren ein Modell entwickelt, das bis heute trägt 2. Sie nennt es den Soll-Ist-Vergleich: auf der einen Seite die eigenen Erwartungen, auf der anderen die Möglichkeiten, sie zu erfüllen.

Und jetzt kommt der Teil, der in Befragungen fast immer übersehen wird. Das Soll ist beweglich. Menschen halten ihr Anspruchsniveau nicht konstant, sie regulieren es nach. Genau daran entscheidet sich, welche Art von Zufriedenheit entsteht.

Leere Wippe auf einem Spielplatz, eine Seite abgesenkt

Sechs Wege zu derselben Zahl

Bruggemanns Modell verzweigt sich zweimal. Zuerst fällt der Soll-Ist-Vergleich aus, befriedigend oder unbefriedigend. Erst danach entscheidet sich, was die Person mit ihrem Anspruchsniveau macht. Aus diesen zwei Schritten entstehen sechs Formen.

Soll-Ist-Vergleich Anspruchsniveau Form Im Fragebogen Was das für die Organisation heißt
befriedigend wird angehoben progressive Zufriedenheit zufrieden die größte Chance: Menschen wollen mehr und sagen auch, was
befriedigend bleibt gleich stabilisierte Zufriedenheit zufrieden tragfähig, aber ohne Eigenantrieb für Veränderung
unbefriedigend wird gesenkt resignative Zufriedenheit zufrieden das größte Risiko: liest sich als Erfolg, ist verlorene Wirksamkeit
unbefriedigend bleibt, Wahrnehmung wird verzerrt Pseudo-Zufriedenheit zufrieden im Bogen nicht auffindbar, zeigt sich erst im Gespräch
unbefriedigend bleibt, keine Lösungsversuche fixierte Unzufriedenheit unzufrieden Kritik ohne Bewegung, oft festgefahrene Konflikte
unbefriedigend bleibt, mit Lösungsversuchen konstruktive Unzufriedenheit unzufrieden Widerspruch mit Lösungswillen, im Bericht ein schlechter Wert

Die beiden oberen Formen sind der Normalfall, den sich Organisationen wünschen. Bei der progressiven Zufriedenheit läuft es gut, und die Ansprüche wachsen mit. Das ist unbequem, weil es nie fertig wird. Gleichzeitig ist es aber der produktivste Zustand, den eine Organisation haben kann. Diese Menschen haben eine Meinung dazu, was als Nächstes dran ist. Die stabilisierte Zufriedenheit ist der ruhige Zwilling davon. Es passt, und es soll so bleiben. Nichts daran ist schlecht, nur kommt aus dieser Ecke selten ein Impuls.

Darunter wird es heikel. Bei der resignativen Zufriedenheit nimmt jemand seinen Anspruch zurück, bis er wieder zur Wirklichkeit passt. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil das die vernünftigste verfügbare Reaktion ist, wenn sich ohnehin nichts ändern lässt. Für die Person fühlt sich das Ergebnis nicht wie Unzufriedenheit an. Im Bogen sieht es aus wie Zufriedenheit. Die Pseudo-Zufriedenheit geht noch einen Schritt weiter. Hier bleibt der Anspruch bestehen. Zurechtgerückt wird die Wahrnehmung der Lage, damit sie erträglich bleibt.

Und unten stehen zwei Formen, die im Ergebnisbericht gleich aussehen und es überhaupt nicht sind. Bei der fixierten Unzufriedenheit bleibt der Anspruch bestehen, aber niemand versucht mehr, etwas zu lösen. Bei der konstruktiven Unzufriedenheit bleibt der Anspruch, und es wird etwas versucht. Das ist die produktivste Form von Unzufriedenheit, die es gibt, und sie liest sich in der Auswertung als schlechter Wert.

Genau daran hängt der praktische Nutzen des Modells. Wer eine Zahl der falschen Form zuordnet, handelt vorhersehbar falsch:

  • Resignation als Zufriedenheit gelesen ist der teuerste Fehler. Die Organisation feiert einen guten Wert und lässt genau die Bereiche in Ruhe, in denen Menschen aufgehört haben, etwas zu erwarten. Nach außen wirkt das stabil. Was fehlt, sind Ideen, Widerspruch und Bewegung.
  • Konstruktive Unzufriedenheit als Problem gelesen kostet die Menschen, die noch etwas wollen. Der schlechte Wert eines Bereichs wird dann als Führungsversagen behandelt, statt dass jemand nachfragt. Damit trifft es ausgerechnet die Leute, die noch etwas ändern wollen. Beim nächsten Mal sagen sie nichts mehr.
  • Progressive Zufriedenheit als Stillstand gelesen verschenkt die beste Ausgangslage, die eine Organisation haben kann. Wenn nach spürbaren Verbesserungen die Werte nicht steigen, ist das oft kein Scheitern. Dazu gleich mehr.

Wie groß ist der Anteil der resignativen Zufriedenheit? Vier Untersuchungen kommen auf Größenordnungen zwischen 15 und 45 Prozent, je nach Betrieb 3. Grob also mindestens jede fünfte Person, in einzelnen Bereichen fast jede zweite.

Zur Ehrlichkeit gehört dazu: Reinformen sind selten. In der Praxis überwiegen Mischformen. Und das Modell ist genau dafür kritisiert worden, dass sich sein dynamischer Charakter schwer in Zahlen fassen lässt 5. Mit einer einfachen Zufriedenheitsskala lassen sich die Formen nicht trennen. Lässt man Menschen sich selbst einer Form zuordnen, gelingt es immerhin für fünf der sechs 6. Die Pseudo-Zufriedenheit bleibt auch dort unsichtbar. Bruggemann hat das schon 1976 vorhergesagt. Die Zürcher Forscher Baumgartner und Udris haben daraus 2006 eine Konsequenz gezogen: Zufriedenheit und Resignation von vornherein getrennt erheben 4.

Für die Praxis folgt daraus etwas Unbequemes und etwas Nützliches. Unbequem: Ein guter Zufriedenheitswert ist kein Beleg dafür, dass es gut läuft. Nützlich: Wenn du weißt, dass es sechs Wege zu derselben Zahl gibt, stellst du andere Fragen.

Querschnitt eines Baumstamms mit deutlich sichtbaren Jahresringen

Warum sich der Wert bewegt, auch wenn sich nichts ändert

Das Modell erklärt eine Erfahrung, die Organisationen regelmäßig irritiert. Du hast nach einer Befragung ernsthaft etwas verändert, und beim nächsten Mal stehen die Werte kaum besser da. Der naheliegende Schluss lautet, es habe nichts gebracht. Er ist meistens falsch.

Wenn sich etwas bewegt, wächst der Anspruch mit. Wer erlebt hat, dass sich etwas ändern lässt, senkt seine Erwartungen nicht länger. Aus resignativer Zufriedenheit wird dann progressive, und die ist anspruchsvoller. Der Wert bleibt gleich, die Erwartungen dahinter sind wacher geworden. Nach dem Modell ist das kein Stillstand, sondern eine Verschiebung in der Zusammensetzung. Dass Ansprüche mit dem Erreichten mitwachsen, ist über die Zufriedenheitsforschung hinweg gut belegt 9. Nach einem freiwilligen Jobwechsel steigt die Zufriedenheit rund ein Jahr lang deutlich und geht danach wieder in Richtung des Niveaus vor dem Wechsel zurück 10.

Es bewegt sich aber nicht nur der Maßstab. Es bewegt sich auch der Moment des Fragens. Wie stark, zeigt eine Auswertung des Ökonomen Angus Deaton an Gallup-Daten 8. Wurden den Befragten vor der Frage nach ihrer Lebensbewertung einige politische Fragen gestellt, fiel ihre Bewertung um rund 0,6 Leiterstufen niedriger aus. Zur Einordnung: In derselben Erhebung liegen Arbeitslose 0,82 Stufen unter Vollzeitbeschäftigten. Die Reihenfolge im Fragebogen bewegt also fast so viel wie eine der härtesten Lebenslagen.

Praktisch heißt das vor allem eines: Die Gesamtfrage gehört nicht an den Anfang. Wer zuerst ein pauschales Urteil abgibt, hat danach eine Position, zu der er sich verhalten muss.

Überflüssig ist die Gesamtfrage damit nicht. Sie ist über Jahre und über Organisationen hinweg vergleichbar. Und sie enthält mehr als die Summe der Einzelaspekte. Der Arbeitsbeschreibungsbogen ist ein etabliertes deutsches Instrument. Bei einer Erhebung damit erklärten seine sieben Facettenskalen zusammen knapp 40 Prozent des Gesamturteils 7. Der Rest ist etwas Eigenes. Die Gesamtfrage muss nur als das gelesen werden, was sie ist: ein Urteil und keine Summe.

Wer nur die Zahl verbessern will, hat dafür einen einfachen Weg: dafür sorgen, dass die Leute weniger erwarten. Das funktioniert zuverlässig und ist der teuerste Fehler, den eine Organisation in diesem Feld machen kann, weil er sich als Erfolg liest.

Was tatsächlich mit Zufriedenheit zusammenhängt

Die Forschungslage dazu ist umfangreich, und sie zeigt ein stabiles Muster.

Gehalt spielt eine kleinere Rolle, als fast alle vermuten. Eine Meta-Analyse findet zwischen Gehaltshöhe und Arbeitszufriedenheit eine Korrelation von 0,15 11. Das ist ein realer, aber schwacher Zusammenhang.

Beziehungs- und Führungsqualität steht deutlich weiter oben. Erlebte Unterstützung durch die Organisation kommt in Meta-Analysen auf 0,65, transformationale Führung auf 0,58, psychologische Sicherheit auf 0,43 12, 13, 14. Diese Werte sind für Messfehler korrigiert und liegen unbereinigt jeweils einige Hundertstel niedriger.

In unseren eigenen Befragungen sehen wir dasselbe Muster: Psychologische Sicherheit hängt mit der Gesamtzufriedenheit stärker zusammen als das Gehalt, 0,58 gegenüber 0,36 16. Deutlicher wird es, wenn man beides kreuzt. Wer mit dem Gehalt unzufrieden ist, aber in einem Team mit hoher psychologischer Sicherheit arbeitet, ist zu 77 Prozent trotzdem insgesamt zufrieden. Wer gut bezahlt wird und in einem unsicheren Team sitzt, nur zu 58 Prozent. Ein sicheres Team gleicht ein unbefriedigendes Gehalt also zum Teil aus, und zwar deutlich besser als gutes Geld ein unsicheres Team.

Zwei Einordnungen gehören dazu, sonst wären diese Zahlen mehr wert, als sie sind.

Zum einen messen wir beim Gehalt etwas anderes als die Meta-Analyse. Wir fragen nicht die Gehaltshöhe in Euro ab, sondern wie die eigene Gehaltssituation erlebt wird. Unsere 0,36 und die 0,15 aus der Meta-Analyse beantworten deshalb verschiedene Fragen und lassen sich nicht direkt nebeneinanderlegen. Was sich vergleichen lässt, ist der Abstand innerhalb unserer eigenen Daten, weil dort beide Themen gleich erhoben wurden.

Zum anderen sind das Zusammenhänge und keine Ursachen. Ob psychologische Sicherheit Zufriedenheit erzeugt oder ob beide gemeinsam aus etwas Drittem folgen, lässt sich aus einer Befragung nicht ablesen. Wahrscheinlich wirkt es in beide Richtungen.

Was bleibt, ist trotzdem deutlich, und es deckt sich mit der internationalen Forschung. Ob Menschen sagen können, was ist, hängt enger mit ihrer Zufriedenheit zusammen als das, was sie verdienen.

Dass daran etwas zu holen ist, zeigt der Gallup Engagement Index für Deutschland 15: 2025 hatten 10 Prozent der Beschäftigten eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber, 77 Prozent eine geringe, 13 Prozent gar keine. Emotionale Bindung im Gallup-Sinn ist etwas anderes als Zufriedenheit. Gallup erhebt sie mit einem eigenen Fragenkatalog. Der fragt zu großen Teilen nach Arbeitsbedingungen und Führungsverhalten. Genau dort liegen auch die Themen, die in unseren Daten am engsten mit Zufriedenheit zusammenhängen.

Geknüpftes Fischernetz, dessen Maschen ein gleichmäßiges Muster bilden

Woran du erkennst, welche Zufriedenheit du vor dir hast

Damit zurück zur Ausgangsfrage. Wenn eine Zahl allein nicht verrät, welche der sechs Formen dahintersteckt, wie kommst du dann daran? Vier Dinge helfen.

01

Erhebe Themenfelder, nicht nur ein Urteil.

Führung, Belastung, Zusammenarbeit, Gestaltungsmöglichkeiten: Erst wenn diese Bereiche getrennt erfasst werden, siehst du, wo der Abstand zwischen Erwartung und Wirklichkeit liegt. Ein Gesamtwert allein sagt dir, dass etwas ist. Er sagt dir nicht, was.

02

Rechne aus, welches Thema das Gesamturteil trägt.

Für jedes Themenfeld lässt sich bestimmen, wie eng es mit dem Gesamturteil zusammenhängt. Je enger, desto verlässlicher bewegen sich beide gemeinsam. Das hilft, weil vor dir zwölf Themen mit schwachen Werten liegen und du nicht alle angehen kannst: Der schlechteste Wert ist selten der wichtigste. Verlässlich wird diese Rechnung allerdings erst bei großen Gruppen. Für eine einzelne Abteilung ist sie eine Zahlenspielerei.

03

Frag auch nach Erwartung, nicht nur nach Zufriedenheit.

Ob jemand zufrieden ist, ist die eine Frage. Ob dieselbe Person noch damit rechnet, dass sich etwas ändert, ist eine andere. Genau deshalb schlagen Baumgartner und Udris vor, Zufriedenheit und Resignation von vornherein getrennt zu erheben 4. Praktisch heißt das: ein paar Fragen mehr im Bogen, die auf Wirksamkeit zielen. Werden Ideen aufgegriffen? Ändert sich etwas, wenn jemand ein Problem anspricht? Ein hoher Zufriedenheitswert neben einem schwachen Wirksamkeitswert ist eines der deutlichsten Warnzeichen, die eine Befragung liefern kann.

04

Sprich mit den Teams über die Ergebnisse.

Die Form der Zufriedenheit siehst du nicht im Bogen, du hörst sie im Gespräch. Steht hinter einer 2,6 ein Team, das mehr will, oder eines, das sich eingerichtet hat? Das merkst du in dem Moment, in dem über die Ergebnisse gesprochen wird. Resignation klingt nicht wie Kritik. Sie klingt nach „das ist eben so“. Und in unseren Ergebnisworkshops ist das verlässlichste Anzeichen ein anderes: Niemand kann ein Beispiel nennen. Weil sich schon länger niemand mehr die Mühe gemacht hat, eines zu suchen. Der Schritt ist auch deshalb nicht zu ersetzen, weil ein Durchschnitt Menschen verdeckt. In unseren Daten liegen von 400 Teams 303 im grünen Bereich. In genau diesen Teams erlebt fast jede fünfte Person die Lage anders 16. Ein Ampelbericht auf Teamebene reicht also nicht.

Fazit: Die Zahl ist die Wasserlinie, nicht das Urteil

Die 2,6 vom Anfang bleibt eine Wasserlinie. Ob sie etwas taugt, entscheidet sich nicht an ihrer Höhe. Es entscheidet sich an drei Fragen. Ist erhoben worden, wo der Abstand zwischen Erwartung und Wirklichkeit liegt? Ist erkennbar, welches Thema das Gesamturteil trägt? Und gibt es einen Raum, in dem sich zeigen darf, welche Art von Zufriedenheit dahintersteckt? Wer ernsthaft fragt und die Antwort aushält, bekommt dafür etwas, das sonst kaum zu haben ist. Ein gemeinsames und belastbares Bild der eigenen Organisation.

Und wenn dabei die Erwartungen wachsen, ist das kein Betriebsunfall. Es ist genau die Ausgangslage, die du dir wünschen solltest. Hinter einer 2,6 kann progressive Zufriedenheit stehen. Dann rechnen diese Menschen wieder damit, dass sich etwas bewegt. Sie haben eine Meinung dazu, was als Nächstes dran ist. Und sie sagen sie auch. Damit hört die Befragung auf, ein Zeugnis zu sein. Sie wird zu dem, wofür sie eigentlich taugt: Sie zeigt der Organisation die nächsten Schritte, und sie liefert die Leute gleich mit, die sie gehen wollen. Das ist der Unterschied zwischen einer Zahl, die man verwaltet, und einem Gespräch, aus dem etwas entsteht.

Schmaler Bergpfad, der in Herbstfarben bergauf führt

Wie wir eine Befragung aufsetzen, vom Fragebogen bis zum Folgeprozess, findest du auf unserer Seite zur Mitarbeiterbefragung. Wenn du gerade Angebote vergleichst, lohnt vorher ein Blick auf die Auswahlkriterien für Anbieter.

Häufige Fragen zur Mitarbeiterzufriedenheit

Es gibt keinen allgemeingültigen Schwellenwert, ab dem eine Zahl gut ist. Aussagekräftig wird ein Wert erst im Vergleich, über die Zeit, zwischen Organisationseinheiten und gegenüber Organisationen ähnlicher Größe. Wichtiger als die Höhe ist ohnehin, welche Art von Zufriedenheit dahintersteht, und das klärt sich erst im Gespräch über die Ergebnisse.

Nicht am Fragebogen, denn dort sieht sie aus wie echte Zufriedenheit. Erkennbar wird sie im Gespräch über die Ergebnisse. Kritik wird nicht geäußert. Beispiele fallen niemandem ein. Und Sätze wie „das ist eben so“ ersetzen die Beschreibung konkreter Situationen.

Weil der Maßstab mitwächst. Wer erlebt hat, dass sich etwas ändern lässt, senkt seine Erwartungen nicht länger und beurteilt beim nächsten Mal strenger. Ein gleich gebliebener Wert kann deshalb eine Verschiebung von resignativer zu progressiver Zufriedenheit verdecken.

In unseren Projekten umfasst ein Fragebogen 60 bis 80 Items auf einer fünfstufigen Skala, dazu offene Fragen. Wichtiger als die Zahl ist die Reihenfolge. Die Frage nach der Gesamtzufriedenheit gehört ans Ende und nicht an den Anfang. Und ob Menschen überhaupt offen antworten, hängt an etwas anderem: daran, wie glaubwürdig die Anonymität zugesichert und technisch umgesetzt ist.

Quellen

  1. Locke, E. A. (1976): The nature and causes of job satisfaction. In: Dunnette, M. D. (Hrsg.), Handbook of Industrial and Organizational Psychology, S. 1297–1349. Chicago: Rand McNally.
  2. Bruggemann, A. (1974): Zur Unterscheidung verschiedener Formen von Arbeitszufriedenheit. Arbeit und Leistung 28. Sowie Bruggemann, A., Groskurth, P. & Ulich, E. (1975): Arbeitszufriedenheit. Bern: Huber.
  3. Verbreitungszahlen resignativer Zufriedenheit (Bruggemann 1976; Widmer 1988; Fuchs 2006; Iwanowa 2007), zusammengestellt bei Gunkel, J. (2010): Formen der Arbeitszufriedenheit und Kreativität. Dissertation, TU München. Volltext: d-nb.info/1007350229/34.
  4. Baumgartner, C. & Udris, I. (2006): Das „Zürcher Modell“ der Arbeitszufriedenheit, 30 Jahre „still going strong“. In: Fischer, L. (Hrsg.), Arbeitszufriedenheit. Konzepte und empirische Befunde, S. 111–134. Göttingen: Hogrefe.
  5. Büssing, A. (1992): A dynamic view of job satisfaction in psychiatric nurses in Germany. Work & Stress 6(3), 239–259.
  6. Ziegler, R. & Fuchs, M. (2024): Formen der Arbeitszufriedenheit sensu Bruggemann. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie 68(4). Sowie Ziegler, R. & Schlett, C. (2013), ebenda 57(2).
  7. Neuberger, O. & Allerbeck, M. (1978): Messung und Analyse von Arbeitszufriedenheit. Erfahrungen mit dem Arbeitsbeschreibungsbogen (ABB). Bern: Huber. Skalendokumentation: GESIS ZIS, access.gesis.org/zis/114.
  8. Deaton, A. (2012): The financial crisis and the well-being of Americans. Oxford Economic Papers 64(1), 1–26.
  9. Easterlin, R. A. (2001): Income and happiness, towards a unified theory. The Economic Journal 111(473), 465–484.
  10. Boswell, W. R., Boudreau, J. W. & Tichy, J. (2005): The relationship between employee job change and job satisfaction, the honeymoon-hangover effect. Journal of Applied Psychology 90(5), 882–892.
  11. Judge, T. A., Piccolo, R. F., Podsakoff, N. P., Shaw, J. C. & Rich, B. L. (2010): The relationship between pay and job satisfaction. Journal of Vocational Behavior 77, 157–167.
  12. Kurtessis, J. N., Eisenberger, R., Ford, M. T., Buffardi, L. C., Stewart, K. A. & Adis, C. S. (2017): Perceived organizational support, a meta-analytic evaluation of organizational support theory. Journal of Management 43(6), 1854–1884.
  13. Judge, T. A. & Piccolo, R. F. (2004): Transformational and transactional leadership, a meta-analytic test of their relative validity. Journal of Applied Psychology 89(5), 755–768.
  14. Frazier, M. L., Fainshmidt, S., Klinger, R. L., Pezeshkan, A. & Vracheva, V. (2017): Psychological safety, a meta-analytic review and extension. Personnel Psychology 70(1), 113–165.
  15. Gallup: Engagement Index Deutschland 2025, Bericht März 2026.
  16. MITgestalten / Consulimus AG: Eigene Auswertung von mehr als 12.000 Befragten in 17 Organisationen.

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